Die Kirche St Ulrich wurde am 12. Oktober 1755 durch den Augsburger Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden geweiht. Schon seit dem Jahr 764 ist der Ort Amendingen beurkundet, der zum Herrschaftsbereich der Ritter von Eisenburg gehörte und in dem sich die Klöster Ottobeuren, Rot an der Rot, Buxheim, aber auch Bürger der Reichstadt Memmingen wechselnde Rechte und Besitztümer erwarben. Im Mai 973 kam Bischof Ulrich auf dem Weg von Sulmentingen nach Amendingen und berief Ottobeurer Mönche zu einem Treffen hierher.

Diese Dorfgeschichte macht einen frühen Kirchenbau wahrscheinlich. Aus dem Jahr 1341 liegt die erste urkundliche Erwähnung vor. Seit 1642 lag das Patronatsrecht, d.h. die Bestimmung des Pfarrers, bis zur Säkularisation 1803 beim Kloster Buxheim. Mit diesem Recht der Pfarrerbesetzung, das durch das Recht des Zehnten getragen wurde, war die Baulast für die Kirche verbunden.  Nach einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1575 stand schon die Strigel-Madonna in der Mitte des Hochaltarschreins mit St. Ulrich und St. Katharina ( beide Figuren sind nicht mehr vorhanden) zu beiden Seiten in einer gotischen Kirche. Vom direkten Vorgängerbau, der erst 1655 nach dem Einsturz des Turms entstand, ist aber die Überprüfung durch den Augsburger Generalvisitator Dr. Johann Baptist Bechteler im Jahr 1740 bekannt, der die Kirche als alt, unwürdig und zu klein beurteilte –1655 kurz nach dem 30-jährigen Krieg konnte die Kartause Buxheim nur einen notdürftigen Bau errichten.

Wegen des beengten Platzes an der Hangkante und der umgebenden Bebauung schaffte sich der Kirchenplaner Raum durch das Drehen des Neubaus in Nord- Südrichtung. Sicher musste dazu ein Teil der Gräber entfernt werden. Die Gebeine bestattete man neu unter dem Kirchenboden.

Leider weiß man wenig über die Handwerker und Künstler, die beim Bau  und bei der Ausstattung beteiligt waren. Sie gehörten aber sicher zu herausragenden regionalen Vertretern ihrer Zunft, da die Kartause Buxheim auch bei der Bauausführung das Sagen hatte. Wunderschön zart sind die Farben der Fresken.

Einen Glanzpunkt stellt die Decke im Chorraum dar. Mit großer Vielfalt und Abwechslung überziehen Rokokoformen, wie Rocaille, Muschelbögen, Girlanden, Blattranken und Bandelwerk, die Decke und umschließen die Anbetung Jesu durch die vier Erdteile.

Die Bilder zeigen:

In den vier Ecken des recht flachen, aber weit gespannten Gewölbes die vier Kirchenväter: vl Gregor, vr Hieronymus, hr Augustinus und hl Ambrosius, die durch den Orgelprospekt nicht mehr so gut zu sehen sind.

In der Hohlkehle der Längsseiten: westlich: Bruno (Stifter der Kartäuser), Josef, Petrus, Katharina, Martin

östlich: Hugo (Bischof von Grenoble und Kartäuser), Anna (mit Maria und Joachim), Magdalena, Barbara, Georg

Über dem Chorbogen: Wappen der Kartause von Buxheim (Qui autem facit veritatem, venit ad lucem – Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.)

Seit 1922 an der Emporenbrüstung die Hl. Cäcilia und außen am Vorzeichen der Hl. Ulrich

Man weiß, dass das Gemälde des Hochaltars vom Bruder Gabriel Weiß aus dem Kloster in Buxheim gemalt wurde.

Unten: der irdische Bereich mit den leidtragenden Menschen

Mitte: Bischof Ulrich als Vermittler und Fürsprecher

Oben: die Dreifaltigkeit rechts Gottvater, links Christus, darüber die Taube als Hl. Geist

Die Seitenaltäre sind deutlich schlichter als der Hochaltar und gut in die ausgerundeten Ecken des Langhauses eingefügt. In einer großen Nische stehen jeweils Maria und Joseph. Die typische Barockfigur des Hl. Joseph zieht die Blicke auf sich. Im Auszugsbild sehen wir das Martyrium des Hl. Sebastians, dessen Verehrung durch eine Sebastian-Bruderschaft in Amendingen zu erklären ist.

Die besonderen Kostbarkeiten unserer Kirche sind zwei Figuren aus der Vorgängerkirche. Im linken Seitenaltar steht eine spätgotische Madonna mit dem Jesuskind von Ivo Strigel um 1512. Von Bedeutung dürfte die Figur des Guten Hirten im Chorraum von Ignaz Waibel sein, des Schnitzers des Buxheimer Chorgestühls, die als einzige unserer Plastiken in der Originalfassung erhalten geblieben ist.

Kirchenpfleger Walter Stöberl