Sankt Josef – die katholische Pfarrkirche vor den Mauern der Memminger Altstadt – ist Memmingens erster Kirchenbau seit Reformation, Mediatisierung und Säkularisation. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit großer Gegensätze, in der Fortschritte in Technik und Wissenschaft, zunehmend kapitalistische Wirtschaftsweise und Verarmung einer zunächst rechtlosen Arbeiterschaft mit einer Hinwendung zu Baustilen vergangener Epochen einher gingen.

 

Erst zur Jahrhundertwende ist eine Abkehr vom Historismus zu beobachten. Im Kirchenbau war der Wandel von zwei Faktoren bestimmt: von den Zielen der Liturgischen Bewegung (Romano Guardini, Johannes van Acken) und von modernen Bautendenzen und -materialien (Stahlbeton, Expressionismus oder Bauhausstil).

Von 1927 bis 1929 von den Architekten Michael Kurz und Thomas Wechs geschaffen, ist der 100 Meter lange Kirchenbau von Sankt Josef ein Zeugnis seiner Zeit – sowohl in der Gestaltung seines Äußeren als Stätte des Glaubens als auch in seiner Raumkonzeption als Wegkirche und Gemeindesaal. An ein langgestrecktes Rechteck schließt sich im Westen ein mächtiges Querhaus mit dreieckigem Portalvorbau an. Im Osten steigt terrassenförmig ein hoher Chor zwischen zwei achteckigen, 45 Meter hohen Türmen empor.

 

Der burgartige Eindruck wird verstärkt durch die in Klinkerbauweise verkleideten Außenwände. Am 20. Oktober 1929 weihte Weihbischof Dr. Karl Reth die Kirche auf den Namen des heiligen Josef, „Nähr- und Pflege-Vater Jesu und Patron der kath. Kirche insbesondere des Arbeiterstandes“. Das Patrozinium der Pfarrkirche verweist auf die soziale Verantwortung der Kirche – damals und heute.

 

Zur Ausstattung gehören neben dem großen Sakramentsaltar mit dem goldfarbenen Baldachin in der Apsis auch eine großflächige Freskierung aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Mitten in der Zeit des Dritten Reichs wurde damals Christus mit erhobenen Händen als wiederkommender Richter über den Altar gesetzt. Dieses Bild, bei dem der Auferstandene deutlich seine verklärten Wunden zeigt, ist eine deutliche Demonstration gegen den Nationalsozialismus: Hier ist der wahre Führer der Menschen zu sehen! Rechts und links von ihm sind Szenen aus dem Leben Christi dargestellt; viele davon erzählen auch das Wirken des Pflegevaters Jesu, des Kirchenpatrons Josef.

An den Seitenwänden des Chorraums sind Darstellungen von verschiedenen Heiligen zu sehen, die zu Memmingen bzw. zur Zeit der Erbauung der Kirche eine Bedeutung haben, so etwa der heilige Martin als Patron der alten Stadtpfarrkirche, Ulrich und Afra als Diözesanpatrone, Kreszentia von Kaufbeuren als Allgäuer Taufkapelle von Sankt JosefHeilige, Konrad von Parzham, der kurz nach der Einweihung der Kirche selig- und vier Jahre später heilig gesprochen wurde oder auch die heilige Felicitas mit ihren sieben Söhnen, von denen einer, der heilige Alexander, mit dem in Ottobeuren bestatteten identifiziert wird.

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In Sankt Josef befindet sich auch unsere Anbetungskapelle.