Verstummte Kirchenorgel zu neuem Leben erweckt: Am Sonntag, 17. Mai um 19:00 Uhr wird die Chororgel in St. Josef durch Bischof Bertram gesegnet …
Als vor knapp 6 Jahren die letzten drei Ordensmitglieder der Salesianer Buxheim verließen, schien das Schicksal der Orgel in der Kartausenkirche besiegelt. Sie sollte nach Belarus übersiedeln, was an den Kosten für Abbau, Transport und Aufbau jedoch scheiterte. Chordirektor Maximilian Pöllner hatte eine bessere Idee: das Instrument sollte als Chororgel einen neuen Platz in der Memminger Kirche St. Josef finden. Jetzt wurde das mehrjährige Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Bereits beim Bau der Memminger Kirche St. Josef, die 1929 geweiht wurde, war neben einer großen Hauptorgel auch eine deutlich kleinere Chororgel im Altarraum vorgesehen. Letztlich fehlte damals das Geld und auch ein späterer Versuch scheiterte in den Wirren des Zweiten Weltkriegs sowie der Not in der Nachkriegszeit. Als vor knapp 6 Jahren die letzten drei Salesianer die Kartause Buxheim verließen und die vorgesehene Abgabe nach Belarus scheiterte, bekundete Chordirektor Maximilian Pöllner von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Memmingen sein Interesse und erhielt den Zuschlag. Der 38-jährige Kirchenmusiker und Musikpädagoge interessiert sich naturgemäß für verschiedene Orgeltypen und Klangmuster. Ihn begeisterte die Idee, die vereinsamte Orgel von Buxheim in die Nachbarstadt zu holen. Pöllner bezeichnet sich selbst als „Jäger und Sammler“.
Wie kann ein solches Projekt finanziell geschultert werden, ohne auf Finanzmittel der Kirche zugreifen zu müssen? Pöllner hatte schon bald eifrige Helfer. Der Kirchenmusiker und seine Orgelschüler bauten in Eigenleistung die Orgel in Buxheim aus und organisierten den Transport nach Memmingen. Am Ende waren es 1600 Orgelpfeifen und der Orgeltisch samt Technik, die eine neue Heimat finden sollten. Schrittweise erfolgte in Eigenleistung der Einbau im Altarbereich, fachlich unterstützt durch Orgelbauer Josef Maier aus Hergensweiler. Besonders Joshua Klein von der Orgelbaufirma begleitete verdienstvoll fünf Jahre lang intensiv das Projekt. Durch viele kleine Spenden konnte das Projekt finanziell abgesichert werden. Die sehr aufwendige Verkabelung und das Einpassen einiger großer, sperriger Orgelpfeifen mit der klanglichen Anpassung sind abgeschlossen. Für die 1956 von der Firma Reiser aus Biberach erbaute Orgel wurde laut Pöllner im Altarraum von St. Josef ein klangtechnisch idealer Standort gefunden. Die Orgel habe eine sehr schöne Klangfarbe und sei grundsolide gefertigt. Somit steht dem Einsatz der Chororgel bei Gottesdiensten, Taufen und zur Chorbegleitung nichts mehr im Wege.
Augsburger Bischof kommt
Ein neues Kapitel der zum Leben erweckten Chororgel wird am kommenden Sonntag um 19 Uhr in St. Josef geschrieben. Bischof Bertram Meier wird im Rahmen eines Festgottesdienstes zusammen mit Pater Joshy die „neue“ Chororgel segnen. Naturgemäß wird auch die Kirchenmusik eine große Rolle spielen: zur „Messe Solennelle“ von Louis Vierne sitzt an der Hauptorgel Basilika-Organist Christoph Hauser und an der Chororgel Julian Heinz. Chordirektor Maximilian Pöllner wird die Kirchenchöre von St. Josef, St. Johann und dem Kloster Roggenburg dirigieren. Das Werk von Vierne gilt als ein Höhepunkt der spätromantischen Kirchenmusik und ist bekannt für seine dramatischen Wechsel zwischen Chor und den Orgeln. Damit steht die damals in Buxheim zurückgelassene kleine Orgel mit ihren 22 Registern wieder mitten im kirchlichen und musikalischen Leben.
Über eine Leiter gelangt man in den Innenraum der neuen Chororgel im Altarraum der Memminger Kirche St. Josef. Chordirektor Maximilian Pöllner steht inmitten von 1600 hölzernen und metallenen Orgelpfeifen, die dem Instrument eine sehr schöne Klangfarbe verleihen.
Text/Foto: Werner Mutzel




